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„Schatz!“ Rumänischer Bürgermeister schwärmt von deutscher Sozialhilfe – Ausgaben in Magdeburg verzwanzigfacht

Magdeburg an einem trüben Oktobertag 2026. Die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit vorgelegt hat, wirken auf den ersten Blick unglaublich. Seit 2013 sind die Sozialausgaben für rumänische Staatsbürger in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt von gut 140.000 Euro auf mehr als drei Millionen Euro gestiegen. Das ist das Zwanzigfache. Eine Verzwanzigfachung in gut einem Jahrzehnt. Und während deutsche Kommunen ächzen und Anwohner in den betroffenen Vierteln die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, sitzt in einem Dorf in der Nähe von Bukarest ein Mann, der ganz offen und ohne jede Scham sagt: Das ist für uns ein Schatz.

Zobar-Marian Cutitaru, der in Bărbulești als Bürgermeister beziehungsweise Vizebürgermeister amtiert, spricht im MDR-Dokumentarfilm „EU-Armutsmigration: Sozialstaat in der Sackgasse?“ Klartext. Monatlich stellt er 20 bis 30 Bescheinigungen für Kindergeld aus. Familien mit zehn oder sogar fünfzehn Kindern sind bei ihm keine Seltenheit. „Sie bekommen in Deutschland Sozialhilfe und Wohngeld. Das sammelt sich schnell an. Das ist für unser Land und unsere Kinder aus Rumänien wie ein Schatz.“ Diese Sätze dürften in vielen deutschen Wohnzimmern für Fassungslosigkeit sorgen – besonders bei denjenigen, die jeden Euro umdrehen müssen und gleichzeitig mit ansehen, wie die Kosten in ihren Städten explodieren.

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Das große Rechenbeispiel, das viele wütend macht

Die Reporterin Jana Gareis rechnet in der Dokumentation vor, was eine Familie mit sieben Kindern in Deutschland bekommen kann. Die Eltern verdienen mit geringfügigen Jobs knapp 700 Euro. Dazu kommen staatliche Leistungen von bis zu 3800 Euro – Kindergeld, Grundsicherung, Bildungs- und Teilhabepaket, Wohngeld. Unterm Strich stehen der Familie rund 4500 Euro netto im Monat zur Verfügung. Eine Summe, von der viele deutsche Rentner und Geringverdiener nur träumen können.

In Rumänien wäre das undenkbar. Dort beträgt das Kindergeld pro Kind etwa 50 Euro. Eine vergleichbare Familie kommt auf knapp 1500 Euro. Der Unterschied ist so groß, dass er Menschen in Bewegung setzt. Ein rumänischer Bauarbeiter und Vater von sieben Kindern, der kaum Deutsch spricht, sagt vor der Kamera ganz unverblümt: „In Rumänien ist Kindergeld 50 Euro, in Deutschland ist es 255 Euro.“ Seine monatlichen Einnahmen beziffert er auf ungefähr 3000 Euro – alles inklusive deutscher Leistungen. Er steht dabei und lächelt. Für ihn ist das System kein Missbrauch, sondern eine logische Entscheidung.

Viele ältere Deutsche, die ihr Leben lang gearbeitet und eingezahlt haben, reagieren auf solche Zahlen mit einer Mischung aus Wut und Ohnmacht. „Ich habe 45 Jahre lang gearbeitet und kriege eine Rente, von der ich kaum leben kann – und da kommen Leute und kassieren das Vielfache, ohne dass sie richtig Deutsch können“, sagt ein 68-jähriger Magdeburger, der in der Neuen Neustadt wohnt und namentlich nicht genannt werden möchte. Solche Stimmen hört man inzwischen in vielen betroffenen Stadtteilen.

Wie das System funktioniert – und warum es so schwer zu stoppen ist

Seit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren 2014 dürfen EU-Bürger ohne Visum und Arbeitserlaubnis nach Deutschland kommen. Wer eine auch nur geringfügige Beschäftigung nachweist – einen Minijob, eine Scheinselbstständigkeit, ein paar Stunden auf dem Bau oder beim Schrottsammeln – gilt als Arbeitnehmer. Und damit hat er Anspruch auf aufstockende Grundsicherung und Kindergeld. Das ist der Kern des Problems, den viele Kommunalpolitiker seit Jahren anprangern.

Marc Elxnat vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sieht darin ein strukturelles Problem auf EU-Ebene. „Bereits wenige Arbeitsstunden können ausreichen, um als Arbeitnehmer zu gelten und weitere Ansprüche zu begründen.“ Die Kommunen müssen die Gesetze umsetzen. Sie können die Symptome bekämpfen, aber nicht die Ursachen ändern. Die rechtlichen Grundlagen werden in Brüssel und Berlin gemacht – und dort ist die Debatte oft von anderen Prioritäten geprägt.

Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) bringt es auf den Punkt: „Wir können bloß die Symptome bekämpfen. Weil ja die gesetzlichen Grundlagen nicht von uns gemacht werden. Wir haben Gesetze umzusetzen und wenn die Gesetze so sind, dann haben wir das zu tun.“ Ihre Worte klingen resigniert. Und sie sind es auch. Denn die Stadt hat kaum Handlungsspielraum. Die Menschen kommen, melden sich an, nehmen eine geringfügige Tätigkeit auf und beantragen Leistungen. Alles legal. Alles nach den Regeln, die die Politik selbst geschaffen hat.

In der Praxis bedeutet das: Eine Familie meldet sich mit mehreren Kindern an, einer der Erwachsenen nimmt einen Minijob an – oft nur für wenige Stunden im Monat –, und schon öffnet sich das Tor zu Kindergeld und aufstockender Grundsicherung. Die Kontrollen sind schwierig, die Behörden überlastet. Und wer es schafft, die Hürde zu nehmen, bleibt oft jahrelang im System.

Hagen: 70 Prozent der Rumänen beziehen Grundsicherung

Nicht nur Magdeburg ist betroffen. In Hagen in Nordrhein-Westfalen leben rund 4500 Menschen mit rumänischem Pass. Davon beziehen etwa 3100 Grundsicherung – das sind 70 Prozent. 2013 waren es noch 52 Leistungsbezieher. Die Zahlen haben sich dramatisch verändert. Ähnliche Entwicklungen gibt es in Halle, Duisburg, Gelsenkirchen und anderen Städten des Ruhrgebiets und Mitteldeutschlands.

Anwohner in den betroffenen Vierteln berichten von überfüllten Häusern, Müll, Lärm und einem Gefühl der Fremdheit. Manche Plattenbauten und alte Mietshäuser sind zu sogenannten Schrottimmobilien geworden. Eigentümer verdienen gut an der hohen Nachfrage nach günstigem Wohnraum, während die Nachbarschaft unter dem Druck leidet. „Früher war das hier ein ruhiges Viertel“, erzählt eine 72-jährige Frau aus Hagen. „Heute leben in manchen Häusern 15 oder 20 Leute. Die Mülltonnen quellen über, nachts ist Lärm, und die Kinder laufen unbeaufsichtigt herum. Ich habe Angst, abends noch rauszugehen.“

Die Polizei und die Ordnungsämter kommen kaum hinterher. Die Probleme sind vielschichtig: von Ordnungswidrigkeiten über Ruhestörungen bis hin zu Verdachtsfällen von Schwarzarbeit und Leistungsmissbrauch. Doch die rechtliche Hürde, jemandem die Leistungen zu streichen, ist hoch. Solange formal ein Arbeitsverhältnis besteht und die Meldeadresse stimmt, fließen die Gelder weiter.

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In Rumänien blühen die Dörfer auf

Während in deutschen Städten die Kosten steigen, verändert sich das Bild in den Herkunftsdörfern. In Bărbulești und ähnlichen Orten stehen plötzlich neue Häuser. Deutsche Kennzeichen an Autos sind keine Seltenheit. Die Straßen, die vor Jahren noch verfallen wirkten, wirken heute belebter. Die Abwanderung der ärmsten Familien hat in den rumänischen Gemeinden die Zahl der lokalen Sozialhilfeempfänger deutlich sinken lassen. Das Geld fließt zurück – in Form von Überweisungen, Neubauten und Konsum.

Ein anderer Bürgermeister, Marcel Bamboi aus Fântânele, sagt offen: „Wenn Deutschland diese Leistungen nicht anbieten würde, wären sie wahrscheinlich auch nicht dort.“ Für die rumänischen Gemeinden ist die Migration nach Deutschland eine Entlastung. Die ärmsten Familien gehen, das lokale Sozialsystem wird entlastet, und gleichzeitig fließt Geld zurück. Die Dörfer modernisieren sich. Neue Häuser entstehen, Autos mit deutschen Nummernschildern parken vor den Toren. Für die Zurückgebliebenen ist das ein sichtbarer Beweis, dass der Weg nach Deutschland sich lohnt.

Für viele Familien ist der Weg nach Deutschland eine rationale Entscheidung. Man arbeitet ein paar Stunden, bekommt den Arbeitnehmerstatus und dann die Leistungen, die in der Heimat undenkbar sind. Die Kinder bekommen Kindergeld in Höhe von aktuell 259 Euro pro Kind. Bei sieben Kindern sind das allein schon über 1800 Euro. Dazu kommen die anderen Leistungen. Unterm Strich ein Leben, das in Rumänien mit ehrlicher Arbeit kaum zu erreichen wäre.

Natürlich gibt es auch rumänische Bürger, die in Deutschland hart und legal arbeiten – auf dem Bau, in der Pflege, in der Landwirtschaft. Die MDR-Recherche und die Berichte aus den Kommunen zeigen aber auch die andere Seite: Familien, die das System gezielt nutzen, weil die Regeln es erlauben. Und Bürgermeister, die das ganz offen als Vorteil für ihre Region beschreiben.

Was Anwohner und Kommunen fordern

In Magdeburgs Neuer Neustadt und in vergleichbaren Vierteln in Halle und Hagen fühlen sich viele alteingesessene Bewohner abgehängt. Sie erzählen von Verdrängung, von Häusern, in denen zehn oder mehr Menschen auf engstem Raum leben, von Müllbergen und nächtlichem Lärm. Die Polizei und die Ordnungsämter kommen kaum hinterher. „Ich fühle mich fremd in meiner eigenen Straße“, sagt ein älterer Mann, der seit Jahrzehnten im Viertel wohnt. Solche Sätze hört man immer häufiger.

Kommunalpolitiker und Vertreter des Städte- und Gemeindebundes fordern seit Jahren Änderungen auf EU-Ebene. Der Arbeitnehmerbegriff müsse enger gefasst werden. Minijobs und Scheinselbstständigkeiten dürften nicht automatisch den vollen Zugang zu Sozialleistungen öffnen. Kontrollen müssten verschärft werden. Und die Kosten dürften nicht allein bei den Kommunen hängen bleiben.

Doch die politischen Mehrheiten auf europäischer Ebene sind schwierig. Die Freizügigkeit gehört zu den Grundfreiheiten der EU. Wer sie einschränken will, stößt auf Widerstand – auch innerhalb Deutschlands. Gleichzeitig wächst der Druck von unten. Immer mehr Bürger, besonders die ältere Generation, fragen sich, ob das System noch gerecht ist. Ob es noch das Auffangnetz ist, das es einmal sein sollte – oder ob es zu einem Magneten für Armutsmigration geworden ist.

Die menschliche Seite der Geschichte

Es geht nicht nur um Zahlen. Hinter den Statistiken stehen Menschen. Familien, die in Rumänien kaum über die Runden kamen und in Deutschland plötzlich ein Auskommen haben. Gleichzeitig stehen deutsche Steuerzahler und Kommunen vor der Frage, wie lange das System so tragfähig bleibt. Die älteren Generationen, die das Sozialsystem mit aufgebaut haben, spüren die Belastung besonders stark. Viele von ihnen haben ihr Leben lang gearbeitet, haben Steuern und Beiträge gezahlt und sehen nun, wie die Ressourcen unter Druck geraten.

Ein 71-jähriger Rentner aus Magdeburg, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, formuliert es so: „Ich habe nichts gegen Menschen, die arbeiten wollen. Aber wenn jemand mit sieben Kindern und einem Minijob mehr bekommt als ich mit meiner Rente nach 40 Jahren Arbeit – dann stimmt etwas nicht. Dann fühle ich mich verarscht.“ Solche Sätze sind keine Ausnahme mehr. Sie sind Ausdruck einer wachsenden Verbitterung.

Auf der anderen Seite stehen die Familien, die das System nutzen – legal, wie die Regeln es erlauben. Sie sehen darin keine Ausbeutung, sondern eine Chance. Der Bürgermeister in Rumänien nennt es einen Schatz. Für viele deutsche Kommunen fühlt es sich eher wie eine schwere Last an. Und zwischen diesen beiden Wahrnehmungen klafft eine Lücke, die die Politik bislang nicht schließen konnte.

Was jetzt passieren müsste

Experten und Kommunalvertreter fordern konkrete Schritte: eine klarere Definition des Arbeitnehmerstatus, bessere Kontrollen bei Kindergeld und Grundsicherung, und eine faire Lastenverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Die Kosten tragen derzeit vor allem die Städte und Gemeinden, die den Zuzug vor Ort spüren. Der Bund und die EU setzen die Regeln – die Kommunen zahlen die Rechnung.

Ob sich auf EU-Ebene etwas ändert, ist ungewiss. Die Debatte über Armutsmigration innerhalb der Europäischen Union wird seit Jahren geführt – und immer wieder neu angefacht, wenn neue Zahlen auftauchen. Die aktuellen Zahlen aus Magdeburg und Hagen dürften die Diskussion erneut anheizen. Doch zwischen dem Aufschrei in den Kommunen und einer tatsächlichen Gesetzesänderung liegen oft Jahre.

Für die Menschen in den betroffenen Vierteln ändert sich dadurch zunächst nichts. Sie leben weiter mit den Folgen. Und in Bărbulești stellt der Bürgermeister weiter Bescheinigungen aus – 20 bis 30 im Monat. Für ihn und viele seiner Bürger bleibt das deutsche System ein Schatz. Für viele Deutsche, die die Rechnung zahlen, ist es längst etwas anderes geworden: eine Zumutung, die sie nicht mehr länger hinnehmen wollen.

Die Frage, die jetzt im Raum steht, ist einfach und zugleich schwer zu beantworten: Wie lange kann ein Sozialstaat, der für seine eigenen Bürger immer enger wird, gleichzeitig ein Magnet für Armutsmigration aus anderen EU-Ländern bleiben? Die Zahlen aus Magdeburg geben eine klare Antwort: So wie bisher nicht. Irgendwann wird die Belastungsgrenze erreicht sein. Die Frage ist nur, ob die Politik das rechtzeitig erkennt – oder ob sie weiter zuschaut, während die Kommunen und die Bürger die Zeche zahlen.

Alltag in den betroffenen Vierteln

Wer durch die Neue Neustadt in Magdeburg geht, sieht die Veränderungen mit eigenen Augen. Alte Mietshäuser, in denen früher Arbeiterfamilien wohnten, sind heute voll belegt. Manche Fenster sind mit Decken verhängt, vor den Häusern stehen alte Sofas und Matratzen. Kinder spielen auf dem Bürgersteig, während ältere deutsche Bewohner mit dem Einkaufswagen an ihnen vorbeigehen und den Blick senken.

„Ich habe nichts gegen Ausländer“, sagt eine 69-jährige Frau, die seit 40 Jahren in dem Viertel lebt. „Aber es ist zu viel geworden. Die Häuser sind überfüllt, der Müll wird nicht richtig getrennt, und nachts ist es laut. Die Stadt macht nichts. Die Politik macht nichts. Wir bleiben sitzen mit den Problemen.“ Ähnliche Berichte kommen aus Hagen und Halle. Die Kommunen sind überfordert, die Bürger fühlen sich alleingelassen.

Die Eigentümer der sogenannten Schrottimmobilien profitieren. Sie vermieten an Großfamilien, kassieren die Miete – oft direkt vom Jobcenter – und investieren wenig in den Erhalt der Häuser. Die Nachbarschaft zahlt den Preis. Der soziale Zusammenhalt bröckelt. Alte Netzwerke lösen sich auf. Wer kann, zieht weg. Zurück bleiben diejenigen, die sich den Umzug nicht leisten können – oft ältere Menschen mit kleinen Renten.

Die Rolle der Minijobs und der Scheinselbstständigkeit

Ein zentrales Einfallstor sind Minijobs und Scheinselbstständigkeiten. Wer formal arbeitet, und sei es nur ein paar Stunden im Monat, kann den Status des EU-Arbeitnehmers erlangen. Danach stehen die Türen zu den Sozialleistungen offen. In der Praxis bedeutet das: Eine Familie meldet sich an, einer nimmt einen Minijob an – oft bei einem Bekannten oder Verwandten –, und die Anträge werden gestellt.

Die Kontrollen sind schwierig. Die Jobcenter und die Ausländerbehörden sind personell unterbesetzt. Wer die Formalien erfüllt, bekommt die Leistungen. Wer sie nicht erfüllt, wird oft erst nach Monaten oder Jahren entdeckt. Bis dahin sind bereits große Summen geflossen. Und selbst dann ist die Rückforderung kompliziert und zeitaufwendig.

Marc Elxnat vom Städte- und Gemeindebund warnt seit Jahren vor diesen Fehlanreizen. „Das System lädt geradezu dazu ein, es zu nutzen“, sagt er. „Wer arbeiten will, soll arbeiten. Aber wer nur formal arbeitet, um Leistungen zu bekommen, der belastet den Sozialstaat und die Kommunen unnötig.“ Seine Warnungen finden Gehör – aber noch keine ausreichende politische Antwort.

Was die Zahlen wirklich bedeuten

Die Verzwanzigfachung der Ausgaben in Magdeburg ist kein Einzelfall. Sie ist ein Symptom. In vielen Städten des Ruhrgebiets und Mitteldeutschlands steigen die Zahlen ähnlich steil. Die Kommunen tragen die Hauptlast. Der Bund und die EU setzen die Regeln – die Städte und Gemeinden zahlen. Das führt zu einer Schieflage, die langfristig nicht tragbar ist.

Für die älteren Generationen, die das Sozialsystem mit aufgebaut haben, ist die Entwicklung besonders schmerzhaft. Sie haben in Zeiten von Wirtschaftswunder und Wiederaufbau gearbeitet, haben Steuern und Beiträge gezahlt und sehen nun, wie die Ressourcen unter Druck geraten. Gleichzeitig erleben sie in ihren Vierteln die konkreten Folgen: Überbelegung, Müll, Lärm, ein Gefühl der Unsicherheit.

Die Politik reagiert oft mit Appellen und Prüfaufträgen. Konkrete Gesetzesänderungen bleiben aus. Die Freizügigkeit ist ein hohes Gut der EU – und wer sie einschränken will, muss mit dem Vorwurf des Nationalismus oder der Diskriminierung rechnen. So bleibt es bei den Symptomen. Die Ursachen bleiben unangetastet.

Ein Blick in die Zukunft

Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden immer mehr Kommunen an ihre Grenzen stoßen. Die Kosten steigen, die sozialen Spannungen nehmen zu, und das Vertrauen in den Sozialstaat schwindet. Besonders bei denjenigen, die ihr Leben lang eingezahlt haben und jetzt das Gefühl haben, dass das System nicht mehr fair ist.

Die rumänischen Bürgermeister werden weiter Bescheinigungen ausstellen. Die Familien werden weiter kommen. Und die deutschen Städte werden weiter die Rechnung zahlen – solange die Regeln so bleiben, wie sie sind. Die Frage ist nicht, ob das System überlastet wird. Die Frage ist nur, wann der Punkt erreicht ist, an dem auch die Politik nicht mehr wegschauen kann.

Bis dahin bleibt den Anwohnern in Magdeburg, Hagen und Halle nur die Hoffnung, dass irgendwann jemand hinhört. Und den Steuerzahlern die Gewissheit, dass die Zahlen weiter steigen werden – solange niemand die Regeln ändert.

Ein weiterer Aspekt, der in der Debatte oft untergeht: die Auswirkungen auf die Kinder. Viele der Kinder, die mit ihren Familien nach Deutschland kommen, wachsen in überfüllten Wohnungen auf, sprechen zu Hause kaum Deutsch und haben Schwierigkeiten in der Schule. Die Bildungseinrichtungen in den betroffenen Vierteln sind überlastet. Lehrer berichten von Klassen, in denen die Mehrheit der Kinder nur gebrochen Deutsch spricht. Die Integration stockt, und die Chancen der nächsten Generation bleiben begrenzt.

Gleichzeitig fließt das Kindergeld in die Herkunftsländer zurück oder wird für den Bau neuer Häuser verwendet. Die Kinder selbst profitieren oft weniger als die Zahlen vermuten lassen. Sie leben in prekären Verhältnissen, während das Geld den familiären Status in Rumänien erhöht. Das ist eine bittere Ironie: Das deutsche Kindergeld finanziert den Aufstieg der Familie in der Heimat – und die Kinder bleiben in Deutschland in schwierigen Bedingungen zurück.

Für die deutsche Gesellschaft stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Kann ein Sozialstaat, der für seine eigenen Bürger immer enger kalkuliert, gleichzeitig ein Auffangbecken für Armutsmigration aus anderen EU-Ländern sein? Die Zahlen aus Magdeburg und Hagen geben eine klare Antwort. Die Belastungsgrenze ist in vielen Kommunen bereits erreicht oder überschritten. Die Politik muss jetzt handeln – oder die Spannungen werden weiter zunehmen.

Quellen

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