Kampala – Fünfzehn Jahre lang war er der Schrecken Westugandas. Nachts brach er in Häuser ein, tötete mit der Machete und verspeiste Teile seiner Opfer. Jetzt hat das Militär den Mann gefasst, den viele für den schlimmsten Serienmörder in der Geschichte des Landes halten: Moses Mujurizi.

Am Montagabend, dem 26. Oktober 2026, schrieb der Chef der ugandischen Streitkräfte, General Muhoozi Kainerugaba, auf X einen Satz, der das ganze Land aufhorchen ließ: „Ich freue mich, unsere Mitbürger darüber zu informieren, dass die Sicherheitskräfte den bösen Moses Mujurizi festgenommen haben. Den schlimmsten Serienmörder und Kannibalen in Ugandas Geschichte.“
Der General ließ keinen Zweifel an der Schwere der Vorwürfe. Mujurizi soll zwischen 2010 und 2025 in den Distrikten Masaka, Ibanda und Kazo insgesamt 38 Menschen getötet und gegessen haben. „Wir werden ihn öffentlich vor Gericht stellen und ihn definitiv hinrichten“, fügte Kainerugaba hinzu. Das Foto, das der General veröffentlichte, zeigt einen Mann mit blutiger Lippe, gefesselt, den Blick starr nach vorne gerichtet. Für viele Ugandаer war das der Moment, in dem eine lange Geschichte des Grauens endlich ein Gesicht bekam.
Wie der Terror begann
Die Geschichte beginnt in den frühen 2010er Jahren. In den ländlichen Regionen Westugandas verschwanden immer wieder Menschen. Ganze Familien wurden in ihren Hütten abgeschlachtet. Die Täter, so berichten Überlebende und Ermittler, kamen nachts. Sie brachen nicht nur Türen auf – sie bohrten manchmal sogar Löcher in die Lehmwände, um unbemerkt einzudringen. Die Dörfer liegen weit auseinander, die Wege sind schlecht, die Polizeistationen oft unterbesetzt. Genau das machte es den Tätern leicht.
Ein besonders grausamer Fall ereignete sich 2013 im Distrikt Masaka. Eine Gruppe drang in das Haus eines Pfingstpastors ein. Der Pastor, seine Frau und sieben weitere Familienmitglieder wurden ermordet. Die Tat gilt bis heute als eines der schlimmsten Verbrechen jener Zeit. Die Ermittler sprachen damals von einer systematischen Vorgehensweise: Die Angreifer kannten die Gegend, wussten, wann die Bewohner schliefen, und hinterließen kaum Spuren. Zeugen berichteten später von Schreien in der Nacht und von Nachbarn, die zu ängstlich waren, um zu helfen.
Mujurizi, der auch unter den Namen Fred Mujulizi und Kulaish Kamugisha bekannt ist, soll dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Lokale Medien beschreiben ihn als Mann, der oft auf Motorrädern unterwegs war und als gefährlich galt. Schon damals nannten ihn Ermittler einen der am meisten gesuchten Verbrecher der Region. Ein ehemaliger Polizeibeamter aus Masaka erinnerte sich später: „Wir wussten, dass er gefährlich war. Aber jedes Mal, wenn wir ihn hatten, war er plötzlich wieder weg. Es war, als würde er uns immer einen Schritt voraus sein.“

Frauen als Lockvögel
Neben den nächtlichen Hausüberfällen soll Mujurizi eine zweite Methode angewandt haben. Er soll Frauen mit dem Versprechen einer Beziehung geködert haben. Die Opfer verschwanden spurlos. In mehreren Fällen sollen Teile der Leichen später gefunden worden sein – oder eben nicht. Die Behörden sprechen von einem Muster: Der Verdächtige baute Vertrauen auf, traf sich mit den Frauen und lockte sie dann an abgelegene Orte. Manche Opfer kamen aus ärmeren Verhältnissen und hofften auf eine bessere Zukunft.
Die Behörden gehen davon aus, dass er nicht immer allein handelte. Es gab Komplizen. Immer wieder wurde Mujurizi in den vergangenen 15 Jahren festgenommen – und immer wieder kam er frei oder entkam. Warum genau, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Manche sprechen von Korruption, andere von mangelnden Beweisen, wieder andere von Einschüchterung von Zeugen. Ein lokaler Journalist, der die Fälle jahrelang verfolgte, sagte: „Es gab immer wieder Festnahmen. Und immer wieder die gleichen Geschichten: Er war weg, bevor die Justiz greifen konnte.“
Im September 2026 wurde erneut eine Frau in der Region Masaka getötet. Die Ermittlungen führten schließlich Mitte Oktober zur erneuten Festnahme. Dieses Mal ließen die Behörden nichts mehr anbrennen. Die Armee übernahm die Führung, und General Kainerugaba persönlich verkündete den Erfolg. Für viele war klar: Diesmal sollte es ernst sein.
Die Beweise im Haus
Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen sicherten die Ermittler Beweismittel. Was genau gefunden wurde, ist bislang nicht öffentlich gemacht worden. Die Armee und die Polizei prüfen nun weitere Vermisstenfälle aus den Regionen, in denen Mujurizi aktiv gewesen sein soll. Es geht um Dutzende von ungelösten Fällen aus den letzten 15 Jahren. Familien, die jahrelang auf Antworten gewartet haben, hoffen jetzt auf Klarheit.
General Kainerugaba zeigte auf X ein Foto des Festgenommenen. Der Mann sitzt gefesselt, die Lippe blutig, der Blick leer. „Das ist das Gesicht eines Serienmörders, wenn er im Keller ankommt“, schrieb der General. „Ich habe einen Rat für die Mörder in Uganda: Wir kommen euch holen.“ Die Botschaft war klar und bewusst dramatisch formuliert. In den sozialen Medien verbreitete sich das Bild innerhalb weniger Stunden.
Öffentliche Hinrichtung angekündigt
In Uganda gilt die Todesstrafe weiterhin. Der General hat bereits angekündigt, dass Mujurizi öffentlich vor Gericht gestellt und „definitiv“ hingerichtet werden soll. Ob es tatsächlich zu einer öffentlichen Hinrichtung kommt, bleibt abzuwarten. Die ugandische Justiz hat in den vergangenen Jahren Todesurteile zwar verhängt, aber selten vollstreckt. Dennoch ist die Ankündigung des Generals ein starkes Signal an die Bevölkerung.
Für viele Menschen in den betroffenen Dörfern ist die Festnahme dennoch ein Moment der Erleichterung. 15 Jahre lang lebten sie in Angst. Nachts schlossen sie die Türen doppelt, manche Familien schliefen sogar zusammen in einem Raum, um sich gegenseitig zu schützen. Ältere Menschen berichten, dass sie ihre Enkelkinder nicht mehr allein nach draußen gelassen haben. Die Angst war allgegenwärtig.
Ein Dorfbewohner aus der Nähe von Masaka sagte gegenüber lokalen Medien: „Wir wussten, dass er wiederkommen würde. Jetzt hoffen wir, dass endlich Ruhe einkehrt.“ Eine Frau, deren Schwester vor Jahren verschwunden ist, fügte hinzu: „Wenn er es wirklich war, dann will ich, dass er die Wahrheit sagt. Wir wollen wissen, wo die Körper sind. Wir wollen Abschied nehmen können.“
Die lange Spur der Gewalt
Die Geschichte von Moses Mujurizi ist auch eine Geschichte des Versagens. Mehrfach festgenommen, mehrfach wieder freigelassen. Die Frage, die sich viele stellen: Wie konnte ein Mann, dem so viele Taten vorgeworfen werden, so lange ungestört agieren?
Experten verweisen auf die schwierigen Bedingungen in den ländlichen Regionen. Die Polizei ist unterbesetzt, die Wege sind weit, die Korruption ist ein Problem. In manchen Fällen sollen Zeugen eingeschüchtert worden sein. Ein ehemaliger Ermittler aus der Region sagte: „Es gab immer Gerüchte. Aber Beweise zu sichern, war fast unmöglich. Die Leute hatten Angst, und die Strukturen waren schwach. Manchmal kamen die Beschuldigten einfach wieder frei, und niemand konnte erklären, warum.“
Gleichzeitig gibt es auch Stimmen, die zur Vorsicht mahnen. Die Zahl von 38 Opfern stammt bislang ausschließlich aus der Ankündigung des Generals. Eine unabhängige Bestätigung oder eine detaillierte Opferliste liegt noch nicht vor. Die Justiz muss die Vorwürfe nun beweisen. Menschenrechtsorganisationen beobachten den Fall genau und fordern ein faires Verfahren. Sie warnen davor, dass die öffentliche Ankündigung einer Hinrichtung den Rechtsstaat unter Druck setzen könnte.
Das Leben in den Dörfern nach dem Terror
In den betroffenen Distrikten hat sich das Leben verändert. Viele Familien haben zusätzliche Sicherungen an ihren Hütten angebracht. Nachbarn haben sich zu Selbstschutzgruppen zusammengeschlossen. Junge Männer patrouillieren manchmal nachts. Die Angst sitzt tief und wird nicht von heute auf morgen verschwinden.
Ein Lehrer aus Ibanda berichtet: „Die Kinder sprechen darüber. Sie haben Geschichten gehört. Manche haben Angst, allein nach Hause zu gehen. Wir versuchen im Unterricht, darüber zu sprechen, aber es ist schwer. Die Angst ist real.“ Eine Marktfrau aus Kazo sagt: „Wir haben gelernt, niemandem mehr zu vertrauen, den wir nicht kennen. Das ist das Schlimmste, was so ein Mensch anrichten kann. Er hat nicht nur Leben genommen, er hat das Vertrauen in der Gemeinschaft zerstört.“
Die Festnahme von Mujurizi wird von vielen als Wendepunkt gesehen. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit. Gibt es weitere Täter? Wurden alle Komplizen gefasst? Die Armee hat angekündigt, weiter zu ermitteln. In den Dörfern wartet man ab, was die Ermittlungen noch zutage fördern werden.
Wie die Menschen reagieren
In den sozialen Medien und auf den Märkten wird heftig diskutiert. Viele fordern die sofortige Hinrichtung. Andere mahnen zur Vorsicht und verlangen ein ordentliches Gerichtsverfahren. Ein älterer Mann aus Masaka sagte: „Ich habe drei Nachbarn verloren. Wenn er es war, soll er die Wahrheit sagen und dann bezahlen. Aber ich will Beweise sehen.“
Eine junge Frau aus Kampala, die Verwandte in der Region hat, schrieb online: „Endlich. 15 Jahre zu lang. Die Leute dort haben in ständiger Angst gelebt. Jetzt muss die Justiz liefern.“ Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen, die fragen, warum es so lange gedauert hat und warum frühere Festnahmen nicht zu Verurteilungen geführt haben.
Die Regierung hat bislang wenig zu dem Fall gesagt. Der Fokus liegt auf der Armee und dem General, der den Fall öffentlich gemacht hat. Für viele Beobachter ist das ein Zeichen dafür, dass die Sicherheitskräfte diesmal die Kontrolle behalten wollen.
Was jetzt passiert
Mujurizi sitzt in Untersuchungshaft. Die Ermittler arbeiten an der Anklage. Parallel dazu werden ältere Vermisstenfälle neu aufgerollt. Für die Familien der Opfer ist die Festnahme ein erster Schritt – aber noch kein Abschluss. Viele hoffen auf Geständnisse und Informationen über den Verbleib der Leichen. Ohne diese Informationen können sie nicht abschließen.
General Kainerugaba hat klar gemacht, dass die Sicherheitskräfte weitere Verdächtige suchen. „Wir kommen euch holen“, war seine Botschaft. Ob dahinter mehr steckt als eine einzelne Festnahme, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Öffentlichkeit in Uganda verfolgt den Fall mit großer Aufmerksamkeit.
Für Uganda ist der Fall ein Schock und gleichzeitig ein Signal. Der schlimmste Serienmörder der jüngeren Geschichte soll gefasst sein. Die Frage bleibt: Wie viele weitere Geschichten wie diese gibt es noch in den Dörfern, von denen niemand spricht? Und wie kann verhindert werden, dass sich so etwas wiederholt?
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Justiz die Vorwürfe beweisen kann und ob die angekündigte Härte tatsächlich umgesetzt wird. Für die Menschen in Masaka, Ibanda und Kazo zählt vor allem eines: dass die Nächte wieder ruhiger werden. Dass die Kinder wieder ohne Angst nach Hause gehen können. Und dass die Familien der Opfer endlich Antworten bekommen.
Die Geschichte von Moses Mujurizi ist noch nicht zu Ende. Sie beginnt gerade erst vor Gericht. Und sie wird zeigen, ob Uganda in der Lage ist, mit einem der dunkelsten Kapitel seiner jüngeren Geschichte umzugehen.
Quellen
- BILD.de, 27.10.2026 – Militär verhaftet Kannibalen in Uganda
- ChimpReports, 26.10.2026 – Muhoozi Announces Arrest
- Daily Monitor, 26.10.2026 – Most wanted cannibal arrested
- Statement von General Muhoozi Kainerugaba auf X, 26.10.2026
- Lokale ugandische Medienberichte zu den Fällen in Masaka, Ibanda und Kazo (2010–2025)
Die Angst, die blieb
Auch nach der Festnahme bleibt die Angst in den Dörfern spürbar. Viele Menschen trauen dem Frieden noch nicht. „Wir haben zu oft gehört, dass er gefasst wurde, und dann war er wieder frei“, sagt ein Bauer aus der Nähe von Kazo. „Diesmal muss es anders sein. Diesmal muss es endgültig sein.“
Die Selbstschutzgruppen, die sich in den letzten Jahren gebildet haben, lösen sich nicht sofort auf. Junge Männer halten weiter Wache. Frauen gehen weiterhin nicht allein nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Haus. Die Narben sitzen tief – nicht nur bei den direkten Opfern, sondern in der gesamten Gemeinschaft.
Ein Pastor aus Masaka, der selbst Verwandte verloren hat, predigt seit der Festnahme über Vergebung und Gerechtigkeit. „Vergebung bedeutet nicht, dass man die Taten vergisst“, sagte er in einer Predigt. „Vergebung bedeutet, dass man dem Recht die Chance gibt, zu wirken. Und dass man den Familien erlaubt, abzuschließen.“
Die Rolle der Armee
Auffällig an dem Fall ist die direkte Beteiligung des Militärs. General Muhoozi Kainerugaba, Sohn des Präsidenten und Chef der Streitkräfte, hat den Fall persönlich an die Öffentlichkeit gebracht. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise überlässt die Armee solche Ankündigungen der Polizei.
Beobachter sehen darin ein Signal. Die Sicherheitskräfte wollen zeigen, dass sie handlungsfähig sind und dass schwere Verbrechen nicht ungestraft bleiben. Gleichzeitig stärkt es die Position des Generals, der in Uganda als mögliche politische Zukunftsfigur gilt.
Kritiker warnen allerdings davor, dass die Armee die Justiz übernimmt. „Ein faires Verfahren braucht unabhängige Richter, nicht öffentliche Hinrichtungsankündigungen“, sagte ein ugandischer Menschenrechtsanwalt. „Die Beweise müssen vor Gericht bestehen. Alles andere ist gefährlich.“
Historischer Kontext
Uganda hat in seiner Geschichte immer wieder mit Gewalt und Unsicherheit in den ländlichen Regionen zu kämpfen gehabt. Die Erinnerung an den Bürgerkrieg und die Herrschaft Idi Amins ist in den älteren Generationen noch lebendig. Fälle von ritualisierten Morden und Kannibalismus-Vorwürfen tauchen immer wieder auf, vor allem in abgelegenen Gebieten.
Der Fall Mujurizi reiht sich in eine Reihe von Geschichten ein, die zeigen, wie schwer es dem Staat fällt, in den entlegenen Distrikten Präsenz zu zeigen. Die Entfernungen sind groß, die Infrastruktur schwach, das Vertrauen in die Behörden oft gering. Genau das macht es Tätern leicht, über Jahre hinweg ungestört zu agieren.
Gleichzeitig zeigt der Fall aber auch, dass die Sicherheitskräfte irgendwann doch greifen. Die Frage ist nur, wie viele Opfer es bis dahin kosten muss.
Was die Familien jetzt brauchen
Für die Angehörigen der Opfer geht der Kampf weiter. Viele wollen wissen, was mit ihren Angehörigen geschehen ist. Wo liegen die Körper? Können sie begraben werden? Gibt es noch mehr Opfer, von denen niemand weiß?
Eine Frau, deren Bruder 2018 verschwunden ist, sagt: „Ich will nicht Rache. Ich will die Wahrheit. Ich will, dass mein Bruder ein Grab bekommt. Das ist das Mindeste.“ Andere fordern, dass die Komplizen ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden.
Die Behörden haben angekündigt, alle offenen Fälle aus den betroffenen Distrikten neu zu prüfen. Ob das zu weiteren Festnahmen führt, wird sich zeigen. Für die Familien zählt jede Information.
Ein Signal an das Land
Der Fall Moses Mujurizi ist mehr als die Geschichte eines einzelnen Täters. Er ist ein Spiegel für die Schwächen des Systems und gleichzeitig ein Test für die Fähigkeit des Staates, Gerechtigkeit herzustellen. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist groß. Die Erwartungen sind hoch.
Ob die Justiz liefert, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Bis dahin bleibt die Hoffnung der Menschen in den Dörfern: dass die Nächte endlich ruhiger werden und dass die Angst, die 15 Jahre lang herrschte, irgendwann der Vergangenheit angehört.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen, vor den Augen der Öffentlichkeit und vor den Augen der Familien, die so lange gewartet haben.
Die Stimmen aus den Dörfern
In den Tagen nach der Festnahme haben lokale Radiosender und Zeitungen zahlreiche Stimmen aus den betroffenen Regionen gesammelt. Die Berichte ähneln sich. Immer wieder tauchen die gleichen Elemente auf: die nächtlichen Angriffe, die Angst, die Hilflosigkeit der Behörden, die Hoffnung auf ein Ende.
Ein älterer Mann aus Ibanda erzählte: „Meine Nachbarin wurde vor sieben Jahren getötet. Wir haben die Schreie gehört, aber wir konnten nichts tun. Die Polizei kam erst am nächsten Tag. Seitdem schlafen wir mit einem Stock neben dem Bett.“ Eine junge Mutter aus Kazo sagte: „Ich lasse meine Kinder nicht mehr allein zur Schule gehen. Die Straße ist zu lang und zu dunkel am frühen Morgen.“
Solche Geschichten zeigen, wie tief der Terror in den Alltag eingedrungen ist. Er hat nicht nur Menschen getötet, er hat ganze Gemeinschaften verändert. Das Vertrauen ist erschüttert. Die Nachbarschaftshilfe, die früher selbstverständlich war, ist vorsichtiger geworden.
Die Herausforderung für die Justiz
Nun liegt der Fall bei der Justiz. Die Anklage muss die Vorwürfe beweisen. Das wird nicht einfach. Viele der Taten liegen Jahre zurück. Zeugen sind gestorben oder haben Angst, auszusagen. Beweise sind schwer zu sichern. Die Zahl von 38 Opfern muss im Detail nachgewiesen werden.
Gleichzeitig steht die Justiz unter enormem öffentlichem Druck. Die Ankündigung des Generals, dass Mujurizi „definitiv“ hingerichtet werde, hat die Erwartungen hochgeschraubt. Ein Freispruch oder eine mildere Strafe würde in den Dörfern als Verrat empfunden werden. Ein schnelles Todesurteil ohne ausreichende Beweise würde dagegen den Rechtsstaat untergraben.
Menschenrechtsgruppen fordern deshalb Transparenz. „Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu wissen, worauf die Anklage beruht“, sagte ein Vertreter einer ugandischen NGO. „Nur so kann das Vertrauen in die Justiz wiederhergestellt werden.“
Was bleibt
Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack. 15 Jahre Terror. Dutzende Tote. Unzählige traumatisierte Familien. Und ein System, das zu lange gebraucht hat, um zu reagieren. Die Festnahme von Moses Mujurizi ist ein Erfolg. Aber sie ist auch eine Mahnung.
Die Menschen in Masaka, Ibanda und Kazo hoffen jetzt auf zwei Dinge: auf Gerechtigkeit und auf Ruhe. Ob sie beides bekommen, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin bleibt die Erinnerung an die Nächte, in denen das Grauen durch die Dörfer zog – und die Hoffnung, dass diese Nächte endlich vorbei sind.
Die Geschichte von Moses Mujurizi wird noch lange nachwirken. Sie wird in den Dörfern erzählt werden, wenn die Kinder fragen, warum man nachts die Türen besonders gut verschließt. Und sie wird ein Test dafür sein, ob Uganda in der Lage ist, mit seinen dunkelsten Kapiteln umzugehen – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten.
In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob die Ermittlungen weitere Täter ans Licht bringen und ob die Familien der Opfer die Antworten erhalten, auf die sie so lange gewartet haben. Bis dahin bleibt der Fall ein Symbol – für die Gewalt, die in den Schatten der ländlichen Regionen lauern kann, und für den Willen, ihr endlich ein Ende zu setzen.
Die Menschen in den betroffenen Dörfern haben gelernt, mit der Angst zu leben. Jetzt hoffen sie, dass sie lernen können, ohne sie zu leben. Das wäre der eigentliche Erfolg dieser Festnahme.
Die Behörden haben angekündigt, die Ermittlungen fortzusetzen und alle offenen Fälle aus den Jahren 2010 bis 2025 neu zu bewerten. Für die Angehörigen bedeutet das Hoffnung – aber auch die Gefahr, dass alte Wunden wieder aufgerissen werden. Viele sagen dennoch: Besser die Wahrheit als das ewige Nichtwissen.
Moses Mujurizi sitzt hinter Gittern. Die Nächte in den Dörfern Westugandas sind vielleicht ein kleines Stück ruhiger geworden. Ob sie für immer ruhig bleiben, hängt davon ab, was die Justiz jetzt leistet – und ob die Sicherheitskräfte ihre Ankündigung wahrmachen, weitere Täter zur Strecke zu bringen.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen, vor den Augen eines ganzen Landes.
Das ist die Geschichte eines Mannes, der 15 Jahre lang den Schrecken brachte – und die Geschichte eines Landes, das endlich geantwortet hat.
Die kommenden Tage und Wochen werden entscheidend sein. Die Familien warten. Die Dörfer warten. Und das ganze Land schaut zu.
